Rückblick 2019

Rückblick: Das waren die Aktionstage 2019 (14.-16.11.2019)

Die Aktionstage Netzpolitik und Demokratie 2019 – das waren insgesamt 76 Veranstaltungen ver-teilt über 43 Städte in ganz Deutschland. Thematisch waren die Aktionstage ähnlich vielschichtig wie der Begriff Netzpolitik selbst – so gab es Events zu Bürgerbeteiligung in der digitalen Gesellschaft, zu Fake News, Hate Speech und Extremismus im Netz oder zu Wahlkampf in sozialen Medien. Auch rechtliche Fragen wie die EU-Urheberrechtsreform, ePricacy und digitale Selbstbestimmung sowie Cybersicherheit waren Thema bei den Aktionstagen 2019.

Dabei kamen ganz unterschiedliche Formate zum Einsatz, beispielsweise Vorträge, Diskussionsrun-den, Workshops, Lesungen und Filmvorführungen aber auch online-Angebote in Form eines eLearning-Kurses, einer Cryptoparty und eines Digital Barcamp; dazu kamen Webinare, Webtalks und ein Live-Hacking-Event.

Veranstaltungen und Themen der Aktionstage 2019 – ein Auszug aus dem Programm vom letzten Jahr:

Goethe meets Big Data – Code-Poetry-Workshop mit Jörg Piringer

16.11.19, Ulm: Der Performance-Künstler und Informatiker Jörg Piringer zeigt Jugendlichen wie sie mithilfe von Computern aus Big Data und Quellcodes ihre eigene Datenpoesie machen und diese audio-visuell bspw. als Techno-Poems performen können. Der Workshop schließt mit einem Poetry-Slam und ist kostenlos und offen für alle Jugendlichen von 12 bis 18 Jahren. Jörg Piringer kommt zum ersten Mal dafür nach Ulm und gibt außerdem Einblicke in seine kritische Sicht zu Big Data und geschlossenen Quellcodes.

TEDxMagdeburg – A future worth building – Konferenz

17.11.19, Magdeburg: Unser Blick auf die Zukunft hat sich gewandelt. Im 20. Jahrhundert herrschte ein großer Opti-mismus: technischer Fortschritt galt als der Schlüssel zu einer besseren Welt. Man dachte: Je weiter sich die Technologie entwickelt, umso lebenswerter wird unsere Erde. Und in der Tat – unsere Lebensqualität ist gestiegen. Doch unser schönes Bild von der Zukunft trübt sich.

Wie sollen wir leben, wenn unser Lebenswandel die Umwelt zerstört? Wo werden wir leben, wenn der Klimawandel Menschen wieder in Wanderbewegung versetzt? Wie können wir uns bilden, wenn das Wissen von heute schon morgen veraltet ist? Wie wollen wir zusammenleben, wenn wahrhaftige Begegnungen immer weiter von virtuellen Begegnungen verdrängt wird? Es wird immer deutlicher, dass wir zusammenarbeiten müssen!

Die EU-Urheberrechtsreform: Wie geht es weiter mit den Uploadfiltern? – Podiumsdiskussion

18.11.19, Regensburg: Die Entwicklung des Urheberrechts ist immer auch schon eine Geschichte der Reaktion auf technische Veränderungen gewesen. Mit dem erklärten Ziel, das europäische Urheberrecht an die veränderten digitalen Ausgangsbedingungen anzupassen, wurde am 15. April 2019 die eu-ropäische Urheberrechtsreform durch den Rat der Europäischen Union beschlossen. Selten zuvor hat eine europäische Reform für so viel Protest gesorgt. Insbesondere die Einführung sogenannter Uploadfilter und die Etablierung eines Leistungsschutzrechts waren bis zum Schluss hochumstritten.

Derzeit läuft die Debatte über die konkrete nationale Umsetzung der EU-Urheberrechtsreform in Deutschland. Die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit organisiert dazu in Kooperation mit dem Bayerischen IT-Sicherheitscluster e.V. am 18.11.2019 in Regensburg eine Podiumsdiskussion, in der über einige der strittigen Punkte der EU-Urheberrechtsreform disku-tiert werden kann: Wie verändern Upload-Filter die Netzkultur und können diese beispielsweise Parodien überhaupt erkennen? Droht dadurch eine Gefahr für die Meinungsfreiheit? Was sind die kritischen Punkte bei der nationalen Umsetzung der Reform und welche Spielräume hat die deutsche Politik?

Demokratie - Stadtentwicklung – ePartizipation - Podiumsdiskussion

15.11.19, Bremen: Zahlreiche Kommunen in Deutschland haben mittlerweile Erfahrungen mit digitalen Beteiligungs-prozessen bei der Stadtentwicklung gesammelt. Nicht selten finden Beteiligungsprozesse heute auch digital statt. Mit den Verfahren der ePartizipation ist die Hoffnung verbunden, mehr Bürge-rinnen und Bürger als bisher an der Stadtentwicklung teilhaben zu lassen, die Stadtplanung transparenter zu gestalten und demokratischer zu legitimieren. Doch was verheißungsvoll klingt, ist nicht frei von Ambivalenzen und neuen Herausforderungen.

Dr. Oliver Märker stellt digitale Beteiligungsformen für die Stadtentwicklung vor und berichtet von Erfahrungen, Erfolgen und Misserfolgen anderer Städte. Er arbeitet heraus, welche Res-sourcen und Kompetenzen Politik, Verwaltung und Bürger*innen brauchen, damit digitale Betei-ligungsverfahren gelingen und zu einer demokratischen Stadtentwicklung beitragen können. Gemeinsam mit Prof. Dr. Jarke von der Universität Bremen und dem Publikum wird im Anschluss diskutiert, welche Bedingungen und Herausforderungen hinsichtlich digitaler Beteiligungsverfah-ren in Bremen bestehen.

Das Ende der Arbeit - wie KI & Robotik Lohnarbeit neu definieren – Podiumsdiskussion

15.11.19 Halle (Saale): Die Digitalisierung stellt unsere Arbeitswelt auf den Kopf – KI, Robotik & Co. übernehmen immer mehr Tätigkeiten, die früher von Menschen ausgeführt wurden. Gerade ArbeitnehmerInnen unterer Einkommenssegmente sind davon verstärkt betroffen. ZukunftsforscherInnen sprechen deshalb schon heute vom Ende der Arbeit.

Diese Zukunftsprognose produziert naturgemäß Ängste und provoziert ganz unterschiedliche Reaktionen. Die einen sagen, dass Digitalisierung auch bedeuten müsse, Arbeitsplätze zu schaf-fen um den Menschen in der traditionellen Form der Erwerbstätigkeit zu halten. Die anderen sehen nun endlich die Chance gekommen, weniger arbeiten zu müssen und sich ihrer absoluten Selbstverwirklichung hingeben zu können. In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens ins Spiel gebracht.

Doch was ist richtig: kann es eine Welt ohne Erwerbstätigkeit geben, in der Roboter all das übernehmen, was wir nicht gern machen? Kann Digitalisierung die Chance bedeuten, all das realisieren zu können, wofür sonst nie Zeit ist? Oder bleibt all das Utopie, weil es dem menschli-chen Wesen nicht entspricht, nicht für Geld zu arbeiten?

Democracy - im Rausch der Daten: Filmvorführung mit Diskussion

15.11.19 Magdeburg: Der Dokumentarfilm "Democracy - Im Rausch der Daten" begleitet die Entstehung der Daten-schutz-Grundverordnung der Europäischen Union. Der Film begleitet dabei den Abgeordneten des Europäischen Parlaments Jan Philipp Albrecht und die damalige Vizepräsidentin der Europä-ischen Kommission und Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft Viviane Reding, die sich um die Umsetzung stärkeren Datenschutzes zur informationellen Selbstbestimmung bemühen. Im Anschluss an die Filmvorführung wird in einer moderierten Diskussionsrunde wei-ter über die EU-Datenschutzgrundverordnung und über das europäische Gesetzgebungsver-fahren gesprochen.

Rapworkshop mit Lena Stoehrfaktor

15.11.19 Hannover: Lena Stoehrfaktor ist Underground-Rapperin aus Berlin. Ihre Texte sind mal wütend, mal traurig, mal aufbegehrend, mal nachdenklich. Als politischer Mensch stellt sich Lena der weiter erstar-kenden Rechten entgegen - auch auf youtube. Mit dem Titel "Kulturbereicherer" provoziert sie gezielt die rechte Szene auf youtube, die dieses Wort oftmals für ihre Hetze gegen Menschen mit nicht deutsch-deutscher Biographie verwendet. An diesem Tag möchte sie mit Euch einen weiteren Track zum Thema produzieren.

Hitler gefällt das. Memes in der digitalen Erinnerungskultur

14.11.19 Stuttgart: Er ist wieder da? Er war nie weg! Auf digitalen Plattformen ist Hitler Kult. Ob als Doppelgänger-Goldfisch im Bunkerglas, beim Feiern mit Diskokugel oder als Projektionsfläche für heutige Poli-tiker – Hitler ist im Netz allgegenwärtig. In tausenden Variationen findet sich sein Konterfei in sogenannten Memes, prägnanten Bildern mit kurzen Kommentartexten, wieder.

Andreas Schulz, Historiker und Fachreferent für Gedenkstättenarbeit an der LpB, versucht in seinem Vortrag, diesem Phänomen anhand ausgewählter Beispiele auf den Grund zu gehen. Im Zentrum stehen dabei die Fragen: „Was sind Memes und wie kann man sie verstehen?“, "Wa-rum liegt der Fokus solcher Memes zur NS-Zeit meist auf Hitler?“ und „Was macht das mit Men-schen, wenn der Holocaust zum tagtäglichen, ‚bespaßenden‘ Begleiter im Netz wird?“

Die anschließende Diskussion reflektiert den Einsatz von und Umgang mit „Hitler-Memes“ im Unterricht oder der Jugendbildung.

Die Hacker kommen nach Plauen!

14.11.19 Plauen: Unter dem Titel „Digital? Aber sicher!“ richtet die Sächsische Staatskanzlei in Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort so genannte »Live-Hackings« aus. Bei diesen ca. zweistündigen Veranstal-tungen zeigen Computerexperten leicht verständlich einfache Tricks und Handgriffe, damit ein jeder seine Informationen und Daten auf Computer, Smartphone und Co vor fremden Zugriff geschützt halten kann und kein leichtes Opfer für Cyberkriminelle wird. Denn selbst der beste Virenscanner oder die stärkste Firewall bügeln nicht alle Fehler aus, die der Mensch vor dem Gerät begehen kann. Die Veranstaltung wird durch Mittel der Sächsischen Staatskanzlei ermög-licht.